Arztinformationen
Neuer Kurs der GKVen - Kassen erwarten mehr als Rabatte
Zukunftsweisende Konzepte für gemeine Synergien sind gefragt
Lübeck. Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) bietet seit Januar diesen Jahres neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen der Industrie und den Krankenkassen. Die Pharmafirmen haben als eine der führenden und kreativen Akteure im Gesundheitsmarkt erstmals die Möglichkeit hier eine wesentliche Rolle zu übernehmen.
Die health-activate GmbH mit Sitz in Lübeck ermittelte in einer Studie welche Informationen die Pharmaindustrie über sich selbst bislang an die Krankenkassen übermitteln konnte um sich als kompetenter und zukunftsweisender Partner darzustellen.
Weiterhin wurde erfragt was die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKVen) über die pharmazeutischen Firmen wissen und welche Anforderungen sie an die Industrie stellen.Für die Studie wurden ausschließlich leitende Mitarbeiter bei den großen Krankenkassen, einigen AOK´s, den 10 größten BKK´s und vereinzelt kleine und mittlere BKK´s befragt.
Seitens der Industrie werden bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um mit den Entscheidungsträgern der GKVen in Kontakt zu treten, so die geschäftsführende Gesellschafterin Dr. Karen Focke-Hecht.
Über 90 Prozent der befragten Mitarbeiter der Krankenkassen hatten bereits Kontakt mit Mitarbeitern von pharmazeutischen Firmen.
Die Pharmamitarbeiter stellten den Kassen eher ihr Unternehmen und die eigenen Produkte vor als Versorgungskonzepte.
Es zeigte sich, dass die Erwartungen der GKVen und der pharmazeutischen Industrie in vielen Bereichen auseinander gehen. Es besteht anscheinend ein Missverständnis zwischen den Anforderungen seitens der Krankenkassen und den Vorstellungen der Pharmahersteller.
Die Kassen wünschen von der Pharmaindustrie Konzepte zur Versicherten-Compliance, zur besseren Patientenversorgung und zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Weiterhin können sich die Vertreter der Kassen vorstellen Impulse von der pharmazeutischen Industrie über Verbände und Gremien (>40%), neue Entwicklungen im Gesundheitswesen (>30%), Krankenversicherungsarten (15%) und Kostentreiberindikationen (12%) zu erhalten.
Bislang gehen die angebotenen Informationen und Konzepte der Pharmaindustrie an dem Bedarf der Krankenkassen größtenteils vorbei konstatiert Dirk Zils, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter der health-activat GmbH. Weiterhin ist es den Herstellern noch nicht ausreichend gelungen, sich den Kassen gegenüber als kompetenter Partner zu positionieren.
Jürgen Bause
Das Kreuz mit dem Kreuz
Schmerzen müssen frühzeitig, fachgerecht, konsequent und effektiv behandelt werden. Wenn man zielgerichtet therapieren will, muss man das Ziel kennen, so der Tenor auf einer Pressekonferenz anläßlich des Schmerzkongresses 2010 in Mannheim.
Muskulärer Rückenschmerz
Wir leben in einer hochtechnisierten Welt, in der wenig Raum für Bewegung bleibt: Wir nehmen lieber das Auto, statt zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren, und den Fahrstuhl, statt Treppen zu steigen. Mangelnde Bewegung hat Folgen und hinterlässt häufig Rückenschmerz, der zu den großen Volkskrankheiten unserer Zivilisationsgesellschaft gehört. Muskulärer Rückenschmerz ist ein schwerwiegendes medizinisches Problem und verursacht hohe Kosten. Die Gesamtausgaben infolge von Schmerzen werden in Deutschland auf 49 Milliarden Euro beziffert, wovon 54 Prozent der Kosten auf Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung entfallen.
Die Therapie beginnt bei der Diagnose
Rückenschmerzen werden noch immer zu wenig differenziert betrachtet, berichtet Prof. Hans-Raimund Casser auf dem Schmerzkongress in Mannheim. Muskel– und Rückenschmerzen haben vielfältige Ursachen, so der Mainzer Orthopäde. Aber nur selten ist die Quelle der Pein eine ernsthafte Erkrankung wie Tumoren, Infektionen oder Bandscheibenschäden. Diese müssen aber immer vom behandelnden Arzt ausgeschlossen werden. Weitaus häufiger gehen Rückenschmerzen auf Bewegungsmangel, Muskel- und Haltungsschäden zurück, und nicht selten sind sie sogar psychosozialen Ursprungs. „Mit Grundlagen- und Fachwissen, mit gezielter Diagnostik und eingehender körperlicher Untersuchung werden bis zu 90 Prozent der Rückenschmerzpatienten auf muskuläre Ursachen identifiziert“, weiß Prof. Walter Zieglgänsberger. Der Spezialist für Neurologie, Psychiatrie, Schmerz- und Suchtverhalten aus München beklagt, dass der immer noch für muskuläre Rückenschmerzen verwendete Begriff „unspezifisch“ eher auf eine unzureichende Diagnostik und körperliche Untersuchung zurückzuführen ist. Und Prof. Gerhard H.H. Müller-Schwefe vom Schmerzzentrum Göppingen fügt hinzu, „dass man nur zielgerichtet therapieren kann, wenn man das Ziel kennt.“
Je früher, desto besser
Treten Rückenschmerzen immer wieder auf, sollte dies Warnsignal und Startschuss für ein aktives und rückengerechtes Leben sein. Ansonsten besteht die Gefahr chronischer Schmerzen, die durch Angst vor dem Schmerz und Vermeidungsverhalten noch weiter verstärkt werden. Prof. Müller-Schwefe hält es deshalb für sehr wichtig, die Schmerz-Lernprogramme des Nervensystems von vornherein konsequent zu blockieren. Je eher eingegriffen wird, desto schneller ist die Therapie wirksam. Die Therapie von Schmerzen ist immer vielseitig, so Müller-Schwefe, auch gibt es kein Universalschmerzmittel, welches jedem Patienten bei jedem Schmerz hilft. Eine effiziente Therapie des Rückenschmerzes umfasst deshalb verschiedene Bausteine aus nichtmedikamentösen und medikamentösen Verfahren sowie aus verhaltensmedizinischen Maßnahmen. Nur in wenigen Fällen ist eine Operation notwendig.
Effektive Therapie
Seit Jahren gibt es Leitlinien zur Behandlung von Schmerzpatienten, dennoch nehmen die chronischen Schmerzen weiter zu, stellt Privatdozent Dr. Michael Überall fest. Der Neuropädiater und Leiter am Institut für Neurowissenschaften in Nürnberg fordert deshalb eine optimale Behandlung, die neben der klinischen Evidenz aus Studien und Metaanalysen auch Erfahrungen der Ärzte und Erwartungen der Patienten ausreichend berücksichtigt. Gerade bei chronischen Schmerzen stehen Faktoren der Lebensqualität wie Teilhabe an sozialen Aktivitäten, Arbeitsfähigkeit und Selbständigkeit bei täglichen Verrichtungen im Vordergrund. „Ziel jeder Pharmakotherapie ist deshalb immer die rasche Aktivierung der Patienten, da die eigene körperliche Aktivität die effektivste Therapie darstellt. Insofern ist jede sinnvolle Pharmakotherapie Hilfe zur Selbsthilfe“, so das Fazit von Müller-Schwefe.
Schmerzfreier Alltag
Die Zeiten sind vorbei, in denen Schmerzmittel verteufelt wurden. Inzwischen gibt es eine Reihe von Medikamenten zur Therapie von Schmerzen, sei es Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen. Die wohl bekanntesten Wirkstoffe gegen Schmerzen, die mit Entzündungen einhergehen, sind ASS, Diclofenac und Ibuprofen. Gegen fiebrige Zustände hilft z. B. der Wirkstoff Paracetamol, gegen starke Schmerzen etwa Morphin oder Oxycodon. Gegen Schmerzen, die mit muskulären Verspannungen in Verbindung stehen, gibt es die Wirkstoffe Metamizol und als 1. Wahl Flupirtin. Flupirtin greift direkt in die Chronifizierungsmechanismen ein, hemmt die Erregbarkeit von Nervenzellen und verstärkt somit endogene Hemmmechanismen. Das Analgetikum ist nicht nur effektiv gegen Schmerzen, sondern löst verspannte Muskulatur und unterbricht zusätzlich Schmerzchronifizierunsprozesse, indem es die Schmerz-Lernprogramme im Nervensystem blockiert. Im klinischen Alltag zeigt der Wirkstoff Flupirtin bei täglicher Anwendung eine signifikante Verspannungslösung und Schmerzreduktion. Sämtliche Teilaspekte der schmerzbedingten Beeinträchtigung der Patienten wurden bereits nach vierwöchiger Therapie deutlich verbessert und damit die Patientenerwartungen nach mehr Lebensqualität erfüllt.
Quelle: Pressekonferenz der AWD.pharma GmbH & Co. KG, Radebeul, über „Rückenschmerzen – neue Daten, spezifische Ursachen, zielgerichtete Therapie“ anlässlich des Schmerzkongresses am 8. Oktober 2010 in Mannheim.
Text: Renato Diekmann
Telemedizin hilft chronisch Kranken
Stuttgart (27.9.2010 baj) Diabetiker, Hypertoniker oder Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD) verursachen als chronisch Kranke horrende Kosten im Gesundheitswesen. Experten von der Deutschen Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement (DGbV) e.V. gehen davon aus, dass bei chronisch Kranken die Therapietreue durchschnittlich nicht einmal 30 Prozent beträgt. Chronisch Kranke gehören zu den etwa 20 Prozent der Versicherten, die aufgrund ihrer Krankheiten ca. 80 Prozent der Leistungen benötigen. 5 bis 7 Milliarden Euro könnten durch ein Patientencoaching eingespart werden.
Anlässlich eines Journalistenabends der TELI Südwest in Stuttgart stellten Dipl. Ing. Ingo Haack von der Firma Robert Bosch Healthcare GmbH und Magister Christof Bachl von der Asklepios Fachklinik München-Gauting ein neues Konzept zur telemedizinischen Betreuung mit COPD vor. Wie Haack berichtete unterstützt ein Telemonitorring das Patientencoaching. Die Patienten werden stationär in der Asklepios Klinik behandelt und die medikamentöse Therapie wird der Erkrankung angepasst. Es erfolgt eine Schulung der Patienten über ihre Erkrankung und der Bosch Telemedizin Plus Telemedizin. Ziel ist es, den Patienten auch nach seinem Krankenhausaufenthalt adäquat zu betreuen, ggf. zu unterstützen und ihn bei seiner chronischen Krankheit zu begleiten. Dieses telemedizinische Gerät ermöglicht dem Patienten nach seinem Klinikaufenthalt einen ständigen Kontakt zu seinem fachmedizinischen Betreuer, so Haack. 51 Pneumologen (Lungenfachärzte) haben sich für die spezielle Versorgung ihrer Patienten zu dem pneumologischen Netzwerk Süd zusammengeschlossen.
Ist der chronisch Kranke wieder daheim erhält er das telemedizinisches Gerät. Medizinische Daten, wie Gewicht, Blutdruck, Sauerstoffsättigung des Blutes, Blutzucker usw. können mithilfe eines Telemetriegerätes der Firma Bosch Healthcare an einen telemedizinischen Betreuungsplatz übermittelt werden. Die medizinischen Parameter werden ausgewertet und beurteilt. Somit entfallen schon mal zahlreiche Arztbesuche für die Kontrolle der Daten. Eine geschulte Fachkraft nimmt täglich mit dem Patienten über ein Dialogsystem Kontakt auf. Es werden Fragen zur Gesundheit gestellt, die der Patient mit einer ja oder nein Taste beantworten kann. Weiterhin wird der Patient auf wichtige Dinge, wie die regelmäßige Einnahme von Medikamenten usw. aufmerksam gemacht und mit ihm eventuelle Abweichungen der übermittelten Daten besprochen. Mit diesen telemedizinischen Leistungen, der Übertragung von Vitalparametern und die Dialogeinheit hat die Firma Bosch Healthcare bereits seit über fünf Jahre positive Erfahrung in den USA gesammelt, so Ingo Haack. Der Patient lernt über Wochen und Monate hinweg seine Erkrankung zu managen. Er lernt mit Krisensituationen fertig zu werden und sein eigenes Verhalten so anzupassen, dass er wieder an Lebensqualität gewinnt.
Für den weiteren Kontakt zu den Mitarbeitern der telemedizinischen Betreuung steht für den Kranken rund um die Uhr eine Hotline zur Verfügung. Dies ist besonders für COPD Kranke wichtig, da Luftnotprobleme ohne Vorwarnung auftreten können, so Christof Bachl von der Asklepios Klinik München-Gauting. Durch die Kooperation mit dem Pneumologischen Netzwerk Südbayern, zwei Akut- und 3 Reha Kliniken stehen den Patienten ein optimales fachärztliches Betreuungsnetzwerk zur Verfügung. Ziel dieser telemetrischen Leistungen sind die Senkung der Gesundheitskosten, Vermeidung von Notarzteinsätzen und Klinikaufenthalten. Weiterhin werden Ressourcen bei dem niedergelassenen Arzt wieder frei, denn durch die telemedizinische Betreuung der Patienten fallen sehr viele Arztbesuche weg, so Bachl.
Die Vorteile für die Patienten sind enorm:Das Wissen über die eigene Erkrankung, die Stabilisierung des Krankheitsverlaufes durch eine engmaschige Betreuung, die Kompetenz und der Gewinn an Lebensqualität sind durch das Selbstmanagement der Krankheit enorm. Studien aus den USA haben belegt, dass die Klinikaufenthalte bis zu 56 Prozent reduziert werden können, wenn die Patienten telemedizinisch betreut werden. Auch ältere Mitbürger kommen mit der telemetrischen Betreuung sehr gut zurecht. Das eigene Wissen und der Umgang mit der neuen Technik stärken das Selbstbewusstsein der Senioren, so die Referenten übereinstimmend. Die Krankenkassen und damit das gesamte Gesundheitssystem sparen durch den Einsatz der Telemetrie und des Gesundheitscoachings Milliarden prognostiziert ein Fachjournalist.
Jürgen Bause
Foto: Rüdiger Schule (honorarfrei)

- Christof Bachl und Moderator Jürgen Bause
Buchbesprechung
Aus Fehlern lernen und später vermeiden
Routine im Rettungsdienst – das sollte es eigentlich nicht geben. Jede präklinische Notfallsitiuation ist anders gelagert. Dem Leser wird vor Augen gehalten, dass es keine Standardnotfallsituation gibt. Anhand von zahlreichen ausführlichen Schilderungen erfährt der Leser, mit welchen –auch sonderbaren- Notfällen man konfrontiert werden kann. Durch Umwelteinflüsse, Witterung, Stress usw. ist man leicht geneigt Fehler zu begehen, mit fatalem, manchmal letalem Ausgang. Da wird beispielsweise vergessen den BZ zu messen, die Lage des Tubus zu kontrollieren, oder den richtigen Kanal des BOS-Funkgerätes einzustellen. Da wird eine „Migräne“ falsch gedeutet oder man verlässt sich am Notfallort auf ein Equipment, was aber nicht vollständig ist. Oder es kommt zu einem Fahrzeugchaos, weil die Rettungsfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und RD unkoordiniert am Notfallort platziert werden.
Die Notfallsituationen sind eine Kombination aus potenziell lebensbedrohlichen Situationen mit einem in der Regel anspruchsvollem Umfeld. Alle Helfer sind dem Zeitdruck und den limitierten Mitteln einem Risiko für Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen und Fehlhandlungen ausgesetzt.
Die Autoren beschreiben ausführlich die „unmöglichsten“ und die „ganz normalen“ Notfallsituationen, wobei die Routine sich oft als großer Fehler herausstellt. Die zahlreichen Fälle werden spannend und einprägsam beschrieben. Eine Hintergrundinformation analysiert jeweils die geschilderte Situation. Auf die Fehler und Gefahren sowie auf die Fehlervermeidungen wird besonders hingewiesen. Auch der erfahrenste Notarzt oder Rettungsdienstfachkraft wird immer aufmerksamer das Buch „77 Fehler und Irrtümer“ in der Notfallmedizin lesen und die Vorkommnisse der eigenen Tätigkeiten kritisch reflektieren.
Der Inhalt dieses Buches ist eine Sammlung von beschriebenen Notfällen, die der eine oder andere Leser sicherlich in ähnlicher Weise mal selbst erlebt hat. Aus den Fehlern (Anderer) wird man klug. Das ist das Ziel der Autoren. Denn nur wer die Fehler erkennt, kann Strategien zur Vermeidung entwickeln. Das Buch ist sehr leicht zu lesen und daher nicht nur für Notärzte, sondern für das gesamte Rettungspersonal sehr zu empfehlen. Der Inhalt wird zur Verbesserung der präklinischen Versorgung beitragen. Ich wünsche dem Buch zahlreiche Leser.
Thoralf Kerner/Hanspeter Bubser und Willi Schmidbauer: 77 Fehler und Irrtümer in der Notfallmedizin. 212 Seiten, Softkover, erschienen in der Medizinisch Wissenschaflichen Verlagsgesellschaft Berlin, 2010; ISBN 978-3-939069-77-5 Preis 29.95 Euro.
Jürgen Bause
Moderne Investitionsförderung für Arztpraxen: KV Hessen informiert über Finanzierungsmöglichkeiten
Frankfurt, 16. April 2010 - "Niederlassung, Nachfolge, Neuanschaffung: Moderne Investitionsförderung für Arztpraxen" - so lautet der Titel einer bundesweiten Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der KfW-Bankengruppe, an der sich auch die KV Hessen beteiligt. Ziel der Kampagne ist es, den rund 150.000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Deutschland betriebswirtschaftliches Wissen zu vermitteln und ihnen Finanzierungsmöglichkeiten und -hilfen aufzuzeigen. Die KV Hessen bietet ihren Mitgliedern dazu am 21.04.2010 in Frankfurt und am 28.04.2010 in Marburg Informationsveranstaltungen an.
Welche Fördermöglichkeiten stehen Ärzten oder Psychotherapeuten zur Verfügung? Wie finden sie einen geeigneten Nachfolger für ihre Praxis? Bekommen sie auch Geld für neue medizinische Geräte? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltungen. "Die Qualität der ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung, aber auch die Entwicklung von Praxen mit ihren vielen Arbeits- und Ausbildungsplätzen, ist ein wichtiger Faktor für Lebensqualität und Wirtschaft in Hessen", erklärte die Vorstandsvorsitzende der KV Hessen, Dr. med. Margita Bert. "Sie hängt jedoch auch davon ab, ob Haus-, Fachärzte und Psychotherapeuten die Chance erhalten, in ihre Praxen zu investieren." Denn heutzutage ist bei der Führung einer Praxis neben dem Qualitäts- vor allem auch Finanzmanagement gefragt. Business-, Finanz- und Investitionspläne gehören zu jeder niedergelassenen Arztpraxis und den medizinischen Versorgungszentren. Vor allem in einer Zeit, in der die durch die Bundespolitik versprochene Honorarsteigerungen nicht bei allen Ärzten und Psychotherapeuten ankommen.
Neben der KfW beteiligen sich auch regionale Banken an den Veranstaltungen der KV Hessen. Zusätzlich zu den Fachvorträgen haben die Teilnehmer die Möglichkeit, auf dem Infomarkt direkt Kontakt mit den verschiedenen Banken aufzunehmen. Selbstverständlich steht ihnen auch das Beraterteam der KV Hessen für Fragen zur Verfügung. "Gemeinsam wollen wir den Ärzten die Scheu nehmen, notwendige Investitionen vorzunehmen. Denn: Bleiben diese aus, verlieren letztlich die Praxen. Das müssen wir verhindern!", so Dr. Bert. Mit seiner Zusage zu einem Grußwort bei der Frankfurter Veranstaltung zeigt der hessische Gesundheitsminister Jürgen Banzer, dass auch die hessische Landesregierung diese Kampagne unterstützt.
Pressevertreter und sonstige Interessierte sind ebenfalls willkommen:
- am 21.04.2010 von 15-18 Uhr in den Räumlichkeiten der KV Hessen in Frankfurt
- am 28.04.2010 von 15-18 Uhr im Hörsaalgebäude der Uni Marburg
Die Einladungen mit den Programmen, Anmeldebögen und Wegbeschreibungen zu den beiden Veranstaltungsorten sind auf der Homepage www.kvhessen.de eingestellt. Pressevertreter werden gebeten, sich unter presse@kvhessen.de anzumelden.
Hinweis an die Redaktion: Bei Fragen und Interviewwünschen wenden Sie sich gerne an die Abteilung Kommunikation der KV Hessen, Karl Matthias Roth, Telefon 069 / 79502-755, Cornelia Kur, Telefon 069 / 79502-580, Telefax 069 / 79502-501, E-Mail: presse@kvhessen.de.
Quelle: KV-Hessen
Pharmazeutische Beratung im Außendienst-Taxi
Außendienst soll eingeschränkt werden
Biberach. Über den pharmazeutischen Außendienst, der die niedergelassen Ärzte und Kliniken besucht, wird seit Jahren diskutiert. So ist in Polen der Besuch seitens der Pharmavertreter während der Sprechzeiten verboten. In der Schweiz und Schweden sind die Arztbesuche der Außendienstmitarbeiter über das Jahr hinweg ebenfalls stark reglementiert.
Russland, ein Land mit 142 Millionen Einwohnern und einem jährlichen Wachstum im Pharmamarkt in den Jahren 2001 bis 2008 von durchschnittlich 21,3 Prozent, will jetzt die Besuche der Pharmavertreter verbieten. Das berichtete die Arzneimittel Zeitung am 18. Februar diesen Jahres.
80 Prozent des russischen Pharmamarktes wird von den großen, international operierenden Pharmaunternehmen kontrolliert. Dies ist dem russischen Präsidenten Vladimir Putin ein Dorn im Auge. „Wir sollten die sogenannten Pharmaberater los werden, die in unseren medizinischen Institutionen arbeiten, berichtete die Moscow Times vom Oktober 2009. Ab September diesen Jahres soll in Russland der Besuch der Pharmavertreter in den Ambulatorien und in den Kliniken grundsätzlich verboten werden. Ein entsprechendes Gesetz ist in der Duma bereits eingebracht worden und hat große Chancen verabschiedet zu werden.
Weiterhin sollen Einladungen für die Ärzte und sonstige Zuwendungen verboten werden, so die Arzneimittel Zeitung weiter. Als besondere Variante zur Sicherung des Vertriebsmodells der pharmazeutischen Industrie wird in der Branche das Außendienst-Taxi diskutiert. Wenn der Arzt gefahren werden möchte, wird er in einem Taxi transportiert, das die Pharmafirma zur Verfügung stellt. Während der Autofahrt wird dann der Arzt von dem Pharmaberater über pharmazeutische Neuigkeiten informiert. Da die Fahrzeugstaus in den Innenstädten Russlands sehr ausgeprägt sind, wird es für die Pharmagespräche ausreichend Zeit geben. Allerdings wird ein solches Modell keine wirkliche Zukunft haben, so der Geschäftsführer des Biberacher Pharmaberatungsunternehmens Innov8, Hanno Wolfram. Der Versuch, nur zu retten, was zu retten ist erscheint weitgehend untauglich.
Dem Vertriebsmodell der pharmazeutischen Industrie steht aber auch in Deutschland einem erheblichen Wandel bevor. Therapierichtlinie und Budgeteinsparungen schränken die Verordnungsfreiheit der niedergelassenen Ärzte schon heute erheblich ein. Das Vertriebsmodell Pharmaaußendienst in Deutschland ist ebenfalls in Bewegung und muss wahrscheinlich sogar neu erfunden werden, so der Experte. Dies gilt ganz besonders unter ökonomischen Gesichtspunkten. Auch die Entscheidungen, welches Medikament wem verordnet wird, werden immer weniger in der Arztpraxis getroffen. Die Zukunft wird nutzenstiftenden Ansätzen gehören und nicht mehr dem Verkäufer.
Quelle: Jürgen Bause
Chronische Lebererkrankungen und Leberfibrose
Hamburg. Chronische Lebererkrankungen haben verschiedene Ursachen. Eine der gefährlichsten ist die Leberfibrose. Hier vernarbt und verhärtet sich das Gewebe der
Leber mit vermehrter Einlagerung von kollagenem Bindegewebe.
Die Ursachen können Erkrankungen, wie eine chronische Leberentzündung (Hepatitis B und C) sein, oder aber chronisch toxische Leberschädigungen durch Alkoholmissbrauch. Es gibt aber noch weitere Erkrankungen, die eine Leberfibrose auslösen können. In unsere Gesellschaft spielt die Fettlebererkrankung durch Fehlernährung eine nicht unerhebliche Rolle so Prof. Dr. M. Manns, Gastroenterloge, Hepatologe und Endokrinologe an der MH Hannover.
Erkrankungen der Leber merkt der Betroffene erst einmal nicht. Eine chronische Müdigkeit oder die Gelbfärbung der Haut sind Anzeichen, aber diese Merkmale werden von den Betroffenen erst einmal ignoriert. Der Gang zum Arzt wird herausgeschoben.
Der Arzt wird zur ersten Untersuchung eine Standardlaboruntersuchung vornehmen. Hinweise auf einen fibrotischen Umbau der Leber lassen sich bereits aus den Routinelaborwerten ermitteln.
Besonders Übergewichtige profitieren
Um den genauen Gesundheitszustand der Leber zu ermitteln, hat sich neben dem klinischen Laborverfahren die transierte Elastografie der Leber mit dem FibroScan etabliert.
Da die Leber mit zunehmender Fibrose eine steife Konsistenz bekommt, steigt die Leitungsgeschwindigkeit von Schallwellen. Mittels der transienten Elastografie wird die Leber einer 50 Hz Welle ausgesetzt. Die Eindringgeschwindigkeit wird dann mittels Ultraschall gemessen und in einen Elastizitätswert umgerechnet.
Der gewonnene Wert gibt dem behandelnden Arzt die erforderlichen Parameter, die zur Beurteilung der Erkrankung notwendig sind.
Die diagnostischen Möglichkeiten mit dem FibroScan sind so gut, das darüber diskutiert wird, dass diese nichtinvasive Untersuchung der Leberbiopsie überlegen ist. Gerade bei übergewichtigen Patienten birgt die Leberbiopsie doch erhebliche Probleme. Mit einem neuen Ultraschall-Transducter wird die Schallamplitude so verstärkt, dass die Untersuchung nicht mehr durch einen größeren Haut-Leber Abstand beeinträchtigt wird.
Klinische Untersuchungen zeigen, dass die Aussagekraft der transienten Elastografie der Leberbiopsie gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen ist.
Diese neue sonografische Untersuchung wird richtungsweisend bei der nichtinvasiven Leberuntersuchung werden.
Einweisende Ärzte und betroffene Patienten sollten sich über Zentren informieren, die eine nichtinvasive Leberuntersuchung durchführen können.
Jürgen Bause
Ineffizienzen im Gesundheitswesen belasten Versicherte und Patienten
Fachgesellschaft mahnt besseres Versorgungsmanagement an
Berlin. In vielen Ländern sind die Menschen gesunder und leben länger als in Deutschland. Und das bei deutlich geringeren Kosten im Gesundheitsbereich, so Zahlen der OECD. Angesichts der Ankündigung von Zusatzbeiträgen durch zahlreiche Krankenkassen und der aufgeflammten Priorisierungsdebatte fordert die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung (DGbG e.V.) in einer Stellungnahme einen noch effizienteren Umgang mit den Ressourcen im Gesundheitswesen.
Finanzielle Reserven der GKVen vermutet eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahre 2009. Und es gibt immer noch zahlreiche Gründe, die zu unnötigen Ressourcenverschwendungen zum Nachteil der Versicherten und Patienten führen. Dazu gehören nicht nur eine betonartige Lobbyistenstruktur in und um das Gesundheitswesen – verbunden mit Gruppenegoismus einzelner Versorgungsbereiche. Auch das beharrliche Beibehalten ineffizienter Strukturen und Versorgungsprozesse. Weiterhin bemängelt die DGbG eine einseitige Prioritätensetzung z. B. bei Arzneimittel-Rabattverträgen unter Inkaufnahme nachteiliger medizinischer und ökonomischer Folgewirkungen.
Kosten von 15 bis 20 Milliarden Euro entstehen jährlich durch fehlende Therapietreue (Non-Compliance/Adherence) Die liegen bei einigen Volkskrankheiten um 50 Prozent. Dadurch werden die medizinischen Behandlungsergebnisse erheblich gefährdet; SO DIE DGbG. Außer den direkten Kosten durch weggeworfene Medikamente, nicht notwendige Arztbesuche usw. entstehen. Mehrausgaben durch den Verlust an Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit, Patientenunzufriedenheit usw. Derzeit wird zu wenig unternommen, um diese negativen Folgen eines unzureichenden Gesundheitsmanagements zu reduzieren und damit Ursachen für verschwenderische Ausgaben zu bekämpfen. Das gesundheitliche Risikoverhalten der Bevölkerung ( Fehlernährung, Übergewicht, Alkoholmissbrauch) ist eine „Zeitbombe“. Sie wird in Zukunft wahrscheinlich zu einer erheblichen Zunahme der Versorgungskosten führen, so die Experten der DGbG. unter der Leitung des Mediziners Prof. Dr. Dr. Dr. hc. mult. Dieter Adam, München. Adam weist auf zahlreiche nachhaltige Verbesserungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen hin: Förderung der Eigeninitiative mit Selbstverantwortung, gesundheitsbewusstes Verhalten der Bürger durch Gesundheitsbildung, Gesundheitscoaching und Patientencoaching. Weiterhin ist ein Paradigmenwechsel von der Post-Crash-Intervention hin zur Prävention unerlässlich. Wirtschaft, Bildung, Forschung, Finanzpolitik und Städteplanung sind aufgefordert ihren Teil an Verantwortung für mehr Gesundheit im Rahmen einer umfassenden politischen Handlungsstrategie zu übernehmen. Grundlage für all diese Maßnahmen muss eine Versogungsforschung sein, die dringend einer Förderung bedarf, so die Fachgesellschaft.
DGbG-Geschäftsstelle
Genter Straße 63
13353 Berlin,
Tel. 030-45475466,
E-Mail:presse @dgbgev.com.
Jürgen Bause


